Ausflug ans Meer nach Rijeka (28.2.-1.3.2026)

Unser mittlerweile schon traditioneller Fotoausflug ans Meer führte uns heuer nach Rijeka. Bereits im Vorfeld hatte uns ChatGPT auf eine Besonderheit vorbereitet: Rijeka sei nicht hübsch im klassischen Sinn, dafür aber extrem authentisch – und genau das mache die Stadt fotografisch spannend. Eine Beschreibung, die unsere Neugier weckte und sich im Nachhinein als erstaunlich treffend herausstellen sollte.

 

Vier Mitglieder unserer Gruppe nutzten die Gelegenheit und reisten bereits am Freitag an, um die Stadt etwas früher zu erkunden. Und tatsächlich sollten sie die einzigen bleiben, die Rijeka an diesem Wochenende auch mit Sonne zu Gesicht bekamen – am Freitagnachmittag sowie noch einmal beim Sonnenaufgang am Samstagmorgen. Der Rest der Gruppe machte sich am Samstag bei herrlichem Sonnenschein auf den Weg Richtung Kroatien. Die Fahrt verlief entspannt – bis kurz nach dem letzten Tunnel vor Rijeka. Dort verschluckte plötzlich dichter Hochnebel die Sonne und hüllte die Stadt in eine graue, fast mystische Stimmung.

 

Mit rund 100.000 Einwohnern ist Rijeka die drittgrößte Stadt Kroatiens und gleichzeitig der wichtigste Seehafen des Landes. Die Stadt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Über Jahrhunderte stand sie unter wechselnder Herrschaft – von den Habsburgern über Ungarn bis zu Italien – was sich bis heute in Architektur, Kultur und Atmosphäre widerspiegelt. Besonders der große Hafen prägt das Stadtbild und verleiht Rijeka seinen rauen, industriellen Charakter.

 

Unser Ausgangspunkt war das Hotel, das – ähnlich wie die Stadt selbst – seine glanzvollsten Zeiten wohl schon hinter sich hatte, dafür aber mit einer ganz eigenen Atmosphäre punktete. Von dort aus starteten wir gleich zu unserer ersten kleinen Expedition: Am Fuße des Berges Trsat beginnt die berühmte Petar-Kružić-Treppe, die mit sage und schreibe 561 Stufen hinauf zur Burg Trsat führt. Oben angekommen wurden wir zwar mit einer großartigen Aussicht über die Stadt belohnt – allerdings lag Rijeka weiterhin unter einer dichten Nebeldecke. Dieser verstärkte die leicht morbide Atmosphäre der Stadt zusätzlich.

Der Wetterbericht verschob den angekündigten Sonnenschein im Laufe des Tages immer weiter nach hinten. Am Ende lag der prognostizierte Zeitpunkt irgendwo nach Sonnenuntergang – eine Prognose, die uns mehr zum Schmunzeln als zum Ärgern brachte.

 

Nach dem Abstieg checkten wir im Hotel ein, stärkten uns mit einem kleinen Snack und machten uns anschließend auf den Weg in die Altstadt. Die Altstadt von Rijeka präsentierte sich dabei als spannender Mix aus Geschichte, Alltag und leichtem Verfall. Rund um die zentrale Fußgängerzone, den Korzo, reihen sich historische Gebäude aus verschiedenen Epochen aneinander. Viele Fassaden erzählen sichtbar von der bewegten Vergangenheit der Stadt – bröckelnder Putz, verblasste Farben und kunstvolle Balkone geben einen Eindruck davon, wie prächtig Rijeka einst gewesen sein muss. Gerade diese Mischung aus Eleganz und Patina machte den Reiz für uns Fotografen aus. In den schmalen Seitengassen fanden sich immer wieder kleine Details: alte Türen, verwitterte Fensterläden, improvisierte Leitungen oder überraschende Farbakzente, die im diffusen Licht des Hochnebels eine ganz besondere Stimmung erzeugten. Während auf dem Korzo das alltägliche Stadtleben pulsierte, schien nur wenige Schritte daneben die Zeit ein wenig langsamer zu laufen – ein idealer Ort, um mit offenen Augen durch die Straßen zu streifen und immer neue Motive zu entdecken.

 

Zwischen Altstadt und Hafen ergab sich zudem noch ein besonderer Moment für uns Fotografen: Wir bekamen einen exklusiven Einblick in eine Fotoausstellung des Fotoklub Rijeka. Die ausgestellten Arbeiten boten spannende Einblicke in die fotografische Sicht der lokalen Fotografen auf ihre Stadt und lieferten uns gleichzeitig zusätzliche Inspiration für unsere eigenen Motive.

Von dort aus zog es uns weiter zum Hafen. Besonders in einem verlassenen Frachthafenbereich fanden wir eine Vielzahl interessanter Motive: rostige Strukturen, alte Kräne, verlassene Anlagen und die raue Hafenatmosphäre sorgten für reichlich fotografischen Stoff. Der ein oder andere wagte sich sogar auf die alten verrosteten Kräne.

Auch wenn sich die Sonne weiterhin hartnäckig hinter den Wolken versteckte, lohnte sich das Warten bis zur Blauen Stunde. Am Molo Longo, der langen Hafenmole von Rijeka, entstanden stimmungsvolle Nachtaufnahmen mit Blick auf die Altstadt und ein beleuchtetes Containerschiff – ein würdiger Abschluss unseres ersten Fototages.

Den Abend ließen wir schließlich in einem gemütlichen Fischrestaurant ausklingen. Bei gutem Essen und lebhaften Gesprächen ließen wir den Tag Revue passieren und tauschten bereits erste Bilder und Eindrücke aus.

 

Für den nächsten Morgen war der Treffpunkt zum Sonnenaufgang bereits um 5:50 Uhr angesetzt – vier besonders motivierte Frühaufsteher fanden sich tatsächlich ein. Doch auch diesmal zeigte sich das Wetter wenig kooperativ: Statt Sonnenaufgang erwarteten uns erneut Hochnebel und dichte Wolken.

Das hielt uns jedoch nicht davon ab, erneut Richtung Hafen zu ziehen. Unser Ziel war der etwas abgelegenere Sušački lukobran, ein alter Wellenbrecher mit eindrucksvollen Hafenkränen und industriellen Strukturen. Die ruhige Morgenstimmung und das diffuse Licht boten trotz fehlender Sonne interessante Motive.

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück beschlossen wir, gleich weiter ans Meer nach Kostrena zu fahren. Den ursprünglich davor geplanten Lost Place ließen wir kurzerhand aus, denn irgendwie wirkte die gesamte Stadt mit ihren alten Industrieanlagen und Hafenstrukturen ohnehin wie ein einziger großer Lost Place.

Unser erster Fotostopp war der Svežanj Beach. Doch auch hier zeigte sich das Wetter von seiner ruhigen Seite: keine Sonne, kein Wind und damit auch keine Wellen. Meer und Himmel gingen nahezu nahtlos ineinander über – eine fotografische Herausforderung, die uns zwang, genauer hinzusehen und nach kleinen Details zu suchen.

Die Ruhe dieses Ortes hatte jedoch ihren ganz eigenen Reiz. In einer kleinen Strandbar mit guter Musik und ausgezeichnetem Kaffee gönnten wir uns eine kurze Pause, bevor wir entlang der Küste weiter in Richtung Lučica Stara voda spazierten. Auf dem Weg dorthin versuchten wir immer wieder, aus den schwierigen Lichtverhältnissen spannende Bilder herauszuholen – eine Übung, die unser fotografisches Auge für Details und Stimmungen zusätzlich schärfte.

Nach knapp drei Stunden erreichten wir schließlich wieder unsere Autos und machten uns auf den Heimweg. Kaum hatten wir denselben Tunnel passiert, der uns bei der Anreise in den Hochnebel geführt hatte, begrüßte uns auf der anderen Seite strahlender Sonnenschein.

 

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – des trostlosen Wetters war es ein rundum gelungener Ausflug. Die besondere Atmosphäre der Stadt, die spannenden industriellen Motive und vor allem die gemeinsame Zeit machten diese Reise einmal mehr zu einem besonderen Erlebnis. Denn manchmal sind es gerade die schwierigen Bedingungen, die unseren Blick für Details schärfen und uns dazu bringen, Motive zu entdecken, die man bei strahlendem Sonnenschein vielleicht übersehen hätte.

Und so kehrten wir schließlich mit vielen neuen Eindrücken, zahlreichen Fotos und der Gewissheit nach Hause zurück, dass ein gelungenes Fotoabenteuer nicht immer vom perfekten Wetter abhängt – sondern vor allem von den richtigen Teilnehmern.

 


Fotos von Claudia


Fotos von Esther


Fotos von Gerald


Fotos von Günter


Fotos von Norbert


Fotos von Peter D.


Fotos von Wilhelm